Sonntag, 7. Mai 2017

Warum der Wald die perfekte Entpannung bietet und 5 Fakten über ein Slow Down

Für mich gibt es zwei Orte, an denen ich richtig entspannen kann: Das ist zum einen das Meer, das leider viel zu weit weg ist, um mal zwischendurch einen Spaziergang am Strand zu machen, und zum anderen der Wald, der glücklicher Weise direkt vor unserer Haustür liegt und zu jeder Jahreszeit einfach nur schön ist.
 


Besonders im Frühling liebe ich es dort spazieren zu gehen und die klare, staubarme, Luft zu atmen, die frischen grünen Blätter anzuschauen und einfach abzuschalten. Der gewachsene Boden ist so angenehm weich unter den Füßen und ich mag es, die vorgegebenen Pfade zu verlassen und einfach auch mal an einem Bach entlang zu gehen und die Natur zu erkunden.






Und da ich den Wald so sehr liebe, habe ich mir letztes Jahr eine Sportart gesucht, die in der freien Natur stattfindet: Das Heigln. Jahrelang habe ich Yoga gemacht, aber zuletzt habe ich nur noch teilgenommen und dauernd gedacht, hoffentlich ist die Zeit bald rum. Ich hatte einfach keine Lust mehr und konnte bei den abschließenden Entspannungsübungen auch nicht mehr abschalten. Da war es Zeit für eine Veränderung und etwas Neues auszuprobieren. Das Heigln hat leider oft mit dem Vorurteil zu kämpfen, es sei ein "Rentnersport", das ist meiner Meinung nach aber überhaupt nicht so. Natürlich sind viele ältere Menschen dort, weil es ein sehr einfacher Sport ist, der leicht zu lernen ist und auch bei gesundheitlichen Problemen ausgeübt werden kann. Aber ich finde, es ist ein "Slow Down", das für alle Altersstufen geeignet ist und jüngere Menschen sollten es einfach mal ausprobieren. Es ist definitiv kein Sport, um sich auszupowern, dafür gehe ich z. B. joggen, sondern Bewegung ohne Leistungsdruck, die darauf abzielt, Anspannung im Körper abzubauen und sich zu entspannen. 





Im Folgenden erhaltet ihr fünf Fakten über das Heigln:

1) Geheiglt wird immer im Freien und zwar bei Wind und Wetter! Bei Regen loszugehen, kostet Überwindung und meist ist mein innerer Schweinehund dann auch recht groß, aber ich war schon mal bei Regen dort und es ist gar nicht so schlimm. Der Körper wird durch die frische Luft optimal mit Sauerstoff versorgt und gleichzeitig wird unser Immunsystem gestärkt. Die Übungsstunde dauert 60 Minuten.

2) Geheiglt wird immer auf gewachsenem Boden, also im Wald, auf der Wiese oder am Strand. Auf keinen Fall auf Pflaster oder in der Turnhalle. Der weiche Boden hat eine schonende Wirkung auf den Bewegungsapparat und unsere Gelenke.

3) Für die Übungen braucht man keine Hilfsmittel und keine spezielle Kleidung. Man sollte sich nur gut in seinen Klamotten bewegen können. Die einzelnen Bewegungsabläufe bestehen aus einem Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung mit harmonischer Atmung. Es werden alle großen Muskelpartien des Körpers angesprochen und die Übungen sind unkompliziert, leicht zu merken und zu wiederholen. Unser Kreislauf wird angeregt, alle Muskeln und Organe gut durchblutet und und der Körper optimal mit Sauerstoff versorgt. Die körperliche Entspannung führt oft auch zur Entspannung von Geist und Seele. Unser Hormonhaushalt wird positiv beeinflusst, Glückshormone ausgeschüttet und Stresshormone abgebaut.

4) Heigln kostet nichts. Man muss, um zu heigln, keinem Verein beitreten oder Mitgliedsbeiträge zahlen. Sondern man schaut z. B. in der Tageszeitung oder im Internet, wo in der Nähe Heigl-Gruppen stattfinden und geht einfach hin. Unsere Übungsleiterin hat einen Sparstrumpf dabei, in den wir alle immer eine kleine Summe spenden, es ist aber kein Muss. Und sollte man mal nicht können oder keine Lust haben, dann geht man einfach nicht hin. Es ist keine Abmeldung o.ä. nötig. Wer kommt, der kommt, und jeder macht die Übungen so wie sie ihm gut tun.

5)  Gegründet wurde das Heigln von Heinz Heigl. Er war Soldat und 1945 in russischer Gefangenschaft in Ostpreußen. Dort beobachtete er, dass ein japanischer Oberst durch ein tägliches Entspannungstraining mit seinen Soldaten die Sterberate deutlich senken konnte, und so übernahm Heinz Heigl diese Übungen auch für seine Soldaten. Als Rentner ließ er sich auf dem Dorf in Duddenhausen bei Hoya nieder und beobachtete, dass die Landbevölkerung dort viele körperliche Probleme hatte und bot daraufhin das sogenannte "Bauerntraining" an. Dieses wurde dann weiterentwickelt und seit 1980 Konditions-Therapie Methode Heigl genannt. In ganz Deutschland gibt es ausgebildete Lehrkräfte und Heigln wird flächendeckend angeboten. Das heißt, wenn man Urlaub im Deutschland macht, hat man sehr wahrscheinlich auch dort die Möglichkeit, in der Nähe des Urlaubsortes zu heigln.
 

Vielleicht habt Ihr ja mal Lust, es auszuprobieren. Unsere Heigl-Gruppe findet immer am Dienstag von 9:30 bis 10:30 statt oder am Abend besteht noch einmal die Möglichkeit von 18:00 bis 19:00 Uhr. Geheiglt wird in der Freilichtbühne Marklohe (Eingang von der Hoyaer Straße). Bitte lasst Euch nicht abschrecken, falls viele ältere Menschen dabei sind. Ich bin bei uns momentan auch das "Küken" in der Gruppe, aber ich mag meine Heigl-Omis sehr und freue mich und staune jedes Mal wie gelenkig viele von ihnen noch sind. Wir lachen viel und haben Spaß zusammen und es ist doch auch schön, wenn es eine Sportart gibt, die generationsübergreifend funktioniert. 




Und wenn Ihr mal eine kleine Auszeit braucht und das Meer wieder zu weit weg ist, dann geht in den Wald! Ein Spaziergang dort kann Wunder bewirken, er macht den Kopf frei, beruhigt den Puls und man fühlt sich danach erfrischt und frei. Japanischer Forscher vermuten sogar, dass Waldspaziergänge Krebs-Killerzellen aktivieren und dieser Effekt bis zu einer Woche nach dem Spaziergang anhält. Verantwortlich sollen die sogenannten Phytonzyden sein, das sind Substanzen, die von den Pflanzen gebildet werden, um Schädlinge abzuhalten, und unser Immunsystem profitiert vermutlich davon.

Fühlt Euch gedrückt!
Julia




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